August 2019

Ja, wir haben es wieder getan. Bereits im September 2017 haben wir diese Reise gebucht.

Leinen los am 21.12.2019 in Hamburg, über Portugal weiter an der Westküste Afrikas runter nach Kapstadt und an der anderen Seite ein Stück wieder hoch durch den Indischen Ozean nach Sri Lanka. Von dort weiter ostwärts nach Indonesien und Malaysia, wie immer mit einem Abstecher nach Singapur. Dann geht es rüber nach Australien und weiter nach Neuseeland. Durch die Südsee nach Mittelamerika. Durch den Panamakanal und die Karibik geht es zur Ostküste der USA mit dem Höhepunkt New York. Weiter gen Norden bis Kanada und von dort über den Großen Teich zurück nach Europa mit Stippvisite in Irland und England. Am 9. Mai 2020 kommen wir dann wieder in Deutschland (Bremerhaven) an.

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Zum Vergrößern: Karte anklicken

Auf unseren bisherigen großen Reisen war die grobe Fahrtrichtung immer westwärts. Das hatte zur Folge, dass beim Passieren einer Zeitzone nachts die Uhren um eine Stunde zurückgedreht wurden, man also eine Stunde gewonnen hatte und diesen Gewinn an der Datumsgrenze zurückzahlen musste, indem ein Tag übersprungen wurde.

Diesmal werden die Uhren beim Überfahren einer Zeitzone eine Stunde vorgestellt. Das wird auf dem Schiff dann immer mittags um 12:00 Uhr praktiziert, in dem die Uhren dann eine Stunde vorgestellt werden. Wir verlieren dann also eine Stunde an solchen Tagen. Der Verlust wird an der Datumsgrenze dann wieder wett gemacht, indem es den Tag dann zweimal geben wird.

Man sieht, diese Reise wird ganz anders. :-)

Statler und Waldorf muppet Show ji

 

Ich möchte es nicht versäumen, Ihnen an dieser Stelle die beiden Lästermäuler Statler und Waldorf vorzustellen. Wann immer sie hier in diesem Blog auftauchen werden, habe ich etwas zu kritisieren oder glaube einen Grund zu haben ganz einfach mal meckern oder vom Leder ziehen zu müssen.

 

 

1. Reisetag – Samstag, 21.12.2019 – Anreise nach Hamburg (Deutschland)

Für Doris klingelte bereits um 4 Uhr früh der Wecker, für mich eine halbe Stunde später.

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Während der letzten Tage mussten wichtige Entscheidungen getroffen werden: Was muss in die Koffer und was lassen wir zu Hause.
Dieser Stress ist jetzt vorbei. Bereits vor zwei Tagen hatten wir 2 dicke Koffer mit dem Dienstleister TEFRA direkt aufs Schiff bringen lassen. Ins Taxi, dass uns beinahe pünktlich gegen 6 Uhr abgeholt hatte, luden wir noch zwei weitere große Koffer, eine Reisetasche und zwei kleine Trollies ein und ab gings zum Flughafen Frankfurt. Aber nicht um von dort zu fliegen, sondern um von dort mit einem von Phoenix-Reisen organisierten Bustransfer nach Hamburg Steinwerder zum Passenger Cruise Terminal zu kommen.

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Der Busfahrer hatte ganze Arbeit zu leisten. Er musste von ca.70 Leuten die Koffer in den Busanhänger verladen.

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Der Bus, ein Doppeldecker aus dem Rheinland, war, wie man sieht, schon gut auf die kommende Karnevalsession vorbereitet. Aus der Bordküche konnte man Getränke, Bockwurst und Kuchen ordern, wodurch sich eine längere Mittagspause an einer Raststätte erübrigte und wir so zügig, ohne große Staus, Hamburg erreichten.

Im Terminal wurde gleich der Check-In vollzogen, was sehr zügig und ohne große Wartezeit vor sich ging. Ein schnelles Foto und der Bordausweis, eine Plastikkarte, wurde bedruckt und uns ausgehändigt.

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Beim Sicherheitscheck gab es dann doch eine größere Warteschlange, aber auch die Hürde wurde gemeistert und endlich konnten wir so gegen 15:30 Uhr das Schiff betreten und unsere Kabine, die 4243, beziehen.

 

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Noch in der Terminalhalle des Cruise Center Steinwerder machten wir an der Sekttankstelle kurz Rast, ... ...

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... bevor wir denn endlich die ARTANIA betreten konnten.

 


Die Koffer ließen wir  Koffer sein und gingen erst mal eine Kleinigkeit essen.
Um 18:00 Uhr mussten alle Passagiere zur Rettungsübung.  Der Umgang mit der Schwimmweste wurde erklärt und wir mussten üben, wie man geordnet und diszipliniert zu den zugewiesenen Rettungsbooten gelangt.
Ob allerdings im Ernstfall die Ordnung und Disziplin aufrecht erhalten bleibt? Irgendwie kommen mir da doch ein klein wenig Bedenken.
19:00 Uhr Auslaufparty mit Glühwein am Außenheck und dann hieß es auch schon „Leinen los“ und unsere Weltreise begann – ein großartiger Augenblick!

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140 Tage auf der ARTANIA liegen jetzt vor uns.

 

2. Reisetag – Sonntag, 22.12.2019 – Auf See

Da sich über Nacht die Kofferinhalte nicht selbstständig in die Schränke eingeräumt hatten, mussten wir das heute selbst übernehmen.
Die ARTANIA war kur vor dieser Reise in der Werft gewesen, um unter anderem die Kabinen auf Deck 4 (unser Deck!) zu sanieren. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, die neue helle Möblierung sieht gut aus und die Kabine selbst wirkt irgendwie gefälliger. Allerdings hegten wir die Befürchtung, dass weniger Stauraum als vorher vorhanden ist. So gibt es die Nachttischschränkchen nicht mehr und das Regal am Kopfende der Betten und die große Schreibtischschublade fielen dem neuen Design zum Opfer.

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Aber der Eindruck täuschte. Der Kleiderschrank war tiefer als das Vorgängermodell, die Unterteilung weitaus vorteilhafter und rund um den Schreibtisch gab es genügend Fächer um seinen ganzen Krimskrams verstauen zu können.
Irgendwann waren alle Koffer leer und es gab immer noch Platz, um sich später noch mehr ausbreiten zu können.

Ab dem späten Nachmittag, nach dem Adventskaffee, stand alles im Zeichen des Kapitänsempfangs und des Galadinners. Wir selbst, wie Leser meiner Blogs der vergangenen Jahre wissen, schwänzen regelmäßig dieses gesellschaftliche Ereignis und so gibt es leider kein Foto von uns zusammen mit dem Kapitän Franz W. Ziolkowski und dem Kreuzfahrtdirekor Klaus Gruschka.
Viele Mitreisende sehnen sich allerdings nach Kapitän Morten Hansen, der durch seine „Volksnähe“ und seine Prominenz durch die Fernsehserie „Verrückt nach Meer“ äußerst beliebt ist. Die Fans von Morten Hansen müssen sich jetzt damit trösten, dass ihr Idol in Sydney das Kommando auf der "Brügge" wieder übernehmen wird.
Uns ist’s egal, wer unter uns Kapitän ist. :-)
Am späten Abend fahren wir in den Ärmelkanal ein und die See wird rauer. In der Nacht, so ab 3 Uhr, wird es heftig. Dass das Schiff schwankt ist nicht weiter schlimm, so kann man sich in den Schlaf schaukeln lassen. Allerdings versetzen die Wellen dem Schiff immer wieder heftige Stöße, sodass es in der Kabine kracht und scheppert und somit das Schlafen doch etwas behindert wird.

 

 

3. Reisetag – Montag, 23.12.2019 – Auf See

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Überall auf der ARTANIA hatte die Crew sehr schön und aufwändig weihnachtlich dekoriert.

Auch der heutige Seetag verlief ohne große Sensationen, also sehr ruhig und erholsam.
Wenn dies hier kein Blog wäre, sondern Facebook, könnte ich Fotos von den beiden Portionen Eis posten, die ich mir heute gegönnt habe (Doris übrigens auch). Die erste Portion zum Mittagessen und die zweite zum Abendessen. Wir haben uns zur Gewissensberuhigung mehrfach versichert, dass diese heutige Völlerei die absolute Ausnahme sei.
Vom übermäßigen Eisgenuss mal abgesehen, verhalten wir uns eigentlich nicht so, wie man das vom klassischen Kreuzfahrer erwartet. Hatten wir gestern schon den Maritimen Frühschoppen geschwänzt und die dort angebotenen Austern verschmäht, so fehlten wir heute beim ARTANIA-Weihnachtsbasar (lustiges Nagelspiel, Glühweinstand etc.), lauschten allerdings ein wenig bei „Katrin Gleiß-Wiedmann verzaubert Sie mit Jazz & Swing Hits zu Weihnachten!“.

 

 

4. Reisetag – Dienstag, 24.12.2019 (Heiliger Abend) – Auf See

Schreck in der Morgenstunde! Ging doch gestern der 1. Blogeintrag ganz problemlos online, war die Internetseite heute früh nicht erreichbar. Ein ansonsten fast leerer Bildschirm, nur oben links stand ganz lapidar „Error“, mehr brachte die Adresse 2020.pehoelzer.de nicht zutage.
Mein erster Gedanke war, dass meine Seite gehackt worden war, kam aber, nachdem ich ein wenig nachgeforscht hatte, zu dem Schluss, dass das Problem am Datenbankserver meines Providers liegen müsse. Aber ganz sicher war ich mir nicht. Eine Anfrage meinerseits bei besagtem Provider (https://www.webnet-service.de) blieb unbeantwortet und so war ich dann doch recht froh, als nach einigen Stunden der Blog wieder aufgerufen werden konnte.

Statler und Waldorf muppet Show ji

Nach der großen gestrigen Eisesserei, sollte heute der Fitnessraum aufgesucht werden, um ein wenig auf dem Ergometer zu strampeln. Also rein in den Sportdress, zu Fuß die 5 Stockwerke vom 4. (wo wir „wohnen“) zum neunten Deck hoch zum Fitnessraum. Hier jedoch quollen aus dem Raum heraus dutzende Jüngerinnen (und vereinzelte Jünger) von „Pontius und Pilates“ die, auf ihren Badelaken liegend, den Eingang versperrten; ein Durchkommen war unmöglich. Wegen des nasskalten Wetters wurden nämlich sämtliche sportlichen Programmpunkte, die eigentlich Outdoor, also außen auf dem hinteren Sonnendeck stattfinden sollten, in den Fitnessraum verlegt. Ich glaube, nur der Lauftreff „Walk a Mile“ musste ganz ausfallen. Jedenfalls wurden meine sportlichen Vorsätze so jäh im Keim erstickt. Da täglich mehrere dieser gymnastischen Programmpunkte stattfinden, musste ich erst einmal meine sportlichen Vorhaben auf Eis legen und auf besseres Wetter hoffen.
Der Heilige Abend selbst gestaltete sich derart, dass zunächst das Weihnachtsmenü eingenommen wurde. In den letzten Jahren war es auf den Phoenix-Schiffen üblich, dass neben den „normalen“ Hauptgerichten noch zusätzlich

... Der Klassiker ...Bockwürstchen mit Senf und Kartoffelsalat

auf der Speisekarte zu finden war. Zu unserer Enttäuschung wurde diese Tradition diesmal einfach fallengelassen.

Statt vieler Worte, hier der Auszug aus dem Tagesprogramm, um zu zeigen, wie Weihnachten an Bord gefeiert wurde.

Auszug aus Tagesprogramm

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Die Atlantic Showlounge, wo die Weihnachtsshow präsentiert wurde, war bis auf den letzten Platz besetzt. Sogar die ca. 30 Stühle aus der Bibliothek wurden beigeschafft. Die schlechte Qualität dieses Fotos ist der Tatsache geschuldet, dass der Fotograf nur aus dem hinteren Teil des Saals seine Kamera in Stellung bringen konnte.

 

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Spät, fast schon zu spät, wurde der guten alten "Würstchen-mit-Kartoffelsalat-Tradition" Rechnung getragen.


Jeden Abend wird gegen 22:00 Uhr in Harry’s Bar der Late Night Snack angeboten, so auch heute. Und siehe da, neben Gulaschsuppe, Canapés, Fruchtspießen und sonst noch dies und das, gab es zur Feier des Tages auch Würstchen mit Kartoffelsalat.

 

 

5. Reisetag – Mittwoch, 25.12.2019 – Lissabon (Portugal)

Am Vormittag erreichten wir den Tejo, den wir flussaufwärts hochschipperten, unterquerten die 1966 erbaute Hängebrücke, die in Konstruktion und Farbe der Golden Gate Bridge in San Francisco sehr ähnlich ist. Auf der südlichen Seite des Tejo befindet sich die imposante Christusstatue, die wiederum sehr an die Statue in Rio de Janeiro erinnert. Schon hatten wir die ersten zwei Wahrzeichen von Lissabon im Sack.

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Die monumentale Christusstatue und die "falsche" Golden Gate Bridge liegen bereits 1-2 Seemeilen hinter uns.

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Lissabon, wir kommen!



Gegen 11:30 Uhr machten wir schließ­lich an der Pier am Pas­sa­gier­terminal fest.

 

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Nach dem Mittagessen, so gegen 14:00 Uhr, betraten wir wieder festen Boden. Ein genaues Ziel hatten wir nicht.
Eigentlich hätten wir uns ganz gerne mit öffentlichen Verkehrs­mitteln in den flussabwärts gelegenen Stadtteil Belém begeben. Dort befinden sich einige Sehenswürdigkeiten, die wir noch nicht kennen, unter anderem der Padrão dos Descobrimentos, das Denkmal für die portugiesischen Seefahrer und Entdecker. Da es uns aber nicht gelang, aus den Fahrplänen schlau zu werden und wir auch nicht herausbekamen, wie und wo man Tickets kaufte, beschränkten wir uns auf die Altstadt, die wir gut zu Fuß erreichen konnten. Die dortigen Highlights kannten wir zwar bereits, was sich aber als großer Vorteil erweisen sollte.

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Zum Beispiel der Elevador de Santa Justa, ein Personenaufzug, der den Stadtteil Baixa mit dem höher gelegenen Stadtteil Chiado verbindet. Als wir seinerzeit dieses touristische Muss in Angriff nahmen, war die Sache absolut stressfrei und im Gegensatz zu heute nicht mit ewig langer Warterei in einer schier endlosen Warteschlange verbunden.

 

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Auch die Fahrt in einer der historischen Straßenbahnen hatten wir bereits absolviert. Das war auch schon damals kein echter Genuss, da diese Bahnen so voll waren, dass man das Feeling einer Ölsardine in der Büchse sehr gut nachempfinden konnte. Auch heute war das keinen Deut besser, sodass wir gerne auf eine Wiederholung der Fahrt verzichteten.

 

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Nein, der Boden war nicht gewellt, sondern vollkommen plan und glatt. Eine gelungene optische Täuschung. Man musste aufpassen, dass man nicht ins Schwanken geriet.



Vielmehr ließen wir uns einfach, ohne dem touristischen Leistungsdruck ausgesetzt zu sein, ganz einfach treiben und kamen in eine äußerst belebte weihnachtlich geschmückte Straße innerhalb der Fußgängerzone, wo Straßenkünstler, Gaukler und Musikanten um die Gunst des Publikums buhlten.

 

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Dieser Musiker unterhielt das Publikum mit seiner singenden Säge (Foto machen: 1 €).

 

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Was war hier denn passiert? Darüber kann man nur spekulieren. Wahrscheinlich war dem Weihnachtsmann der ganze Trubel zu viel und zu stressig. Da hat er den Job geschmissen!

 

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Nach einer Kaffeepause dämmerte es allmählich und nun kam langsam die überall angebrachte Weihnachtsbeleuchtung mehr und mehr zur Geltung.

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Großer grüner künstlicher Weihnachtsbaum
(von außen).

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Großer grüner künstlicher Weihnachtsbaum
(von innen).

Gegen 18:30 Uhr mit ein wenig wehen Füßen ging es zurück auf die ARTANIA, wo schon das Weihnachtsgalaabendessen wartete – Gänsebraten.

An dieser Stelle ein kleiner Gruß an meine Freunde und Kappenbrüder vom 1. Wächtersbacher Carnelvalverein 1961 e.V.. Das Gänseessen bei Euch im November war um Klassen besser.

 

 

6. Reisetag – Donnerstag, 26.12.2019 – Seetag

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Irgendwie ist Weihnachten schon vorbei. Zwar ist es noch überall auf dem Schiff geschmückt und der Plätzchenteller auf der Kabine ist noch reichlich gefüllt mit Dominosteinen, Spekulatius und sonstigem Kaloriengedöns, aber die festliche Stimmung ist dem Bordalltag gewichen.

 

So kämpfen wir mit einem sehr instabilen Internet. Manchmal fliegen wir im Minutentakt raus und müssen uns mühsam wieder einloggen mit Namen, Kabinennummer, 8-stelliger Pin und einem Bestätigungshäkchen, dass wir die Datenschutzbestimmungen akzeptieren. Das nervt. Und für die ca. 135 Euro, die uns die Internetflatrate auf der ARTANIA pro Monat kostet glauben wir, etwas mehr erwarten zu dürfen.
Ein entsprechendes Gespräch mit dem Kreuzfahrtdirektor verläuft positiv und der IT-Offizier würde jetzt des Öfteren irgendwelche Speicherbereiche löschen, die wohl überlaufen und die Abbrüche verursachen.
Abends in Harry’s Bar befinden sich im Repertoire der laufenden Hintergrundmusik dann doch noch einige weihnachtliche Klänge.

  

 

7. Reisetag – Freitag, 27.12.2019 – Arrecife/Lanzarote (Spanien)

Jetzt lief es doch nicht so gut mit dem Internet auf dem Schiff. Wir trafen uns deshalb mit dem IT-Offizier, der schließlich unseren Account zunächst löschte und dann wieder neu anlegte. Seitdem läuft’s ganz gut mit dem World Wide Web.

Um 12:00 legte die ARTANIA pünktlich an der Pier von Arrecife an. An der Rezeption wurden gestern Tickets für einen Shuttlebus verkauft (5€/Person). Dabei mussten wir eine Uhrzeit für die Hinfahrt angeben und wir entschieden uns für eine relativ späte Zeit, nämlich 14:45 Uhr, sodass wir erst in Ruhe Mittagessen konnten ehe wir das Städtchen erkundeten.

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Die AIDAnova (Baukosten: 950.000.000 US$) mit ca. 5.000 Passagieren und 1.500 Mann/Frau Besatzung lag bereits an der Pier.

 

Arrecife ist ein typisches Touristenstädtchen. Rund um eine künstlich angelegte Lagune reihen sich Restaurants, Tapasbars und Straßencafés. Gleich um die Ecke befindet sich eine Einkaufsstraße.

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Für einen Ausflug auf eigene Faust zu den Feuerbergen oder einen der schwarzen Strände war ein halber Tag etwas zu kurz, sodass wir uns mit dem touristischen Standardprogramm begnügten, nämlich ein wenig bummeln, in der Kirche eine Kerze anzünden und in einem Straßencafé die anderen Touristen und die Einheimischen vorbeidefilieren zu sehen.

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Nach dem Auslaufen um 21:00 Uhr wurde ein großes Tapas-Buffet im Foyer der ARTANIA für die ausgehungerten Reisenden eröffnet. Da wir erst um halb neun unser Abendessen beendet hatten, begnügten wir uns mit dem Betrachten der kleinen und großen kulinarischen Leckereien und der kunstvollen Deko.
Aber Hut ab, da hat die Küche wirklich Großes geleistet.

 

 

8. Reisetag – Samstag, 28.12.2019 - Santa Cruz de Tenerife/Teneriffa (Spanien)

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Drei von 6 Kreuzfahrtschiffen. V. l. n. r. MS AMADEA, MS ARTANIA und die AIDAstella.



Ankunft um 8:00 Uhr im Hafen von Santa Cruz. Hier lagen bereits 5 andere Kreuzfahrtschiffe. Ob diese geballte Ladung an Kreuzfahrern für eine Hafenstadt dienlich ist, sei einmal dahingestellt.
Eines der 5 anderen Schiffe war die AMERA, die ebenfalls für Phoenix fährt.

 

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Face to face: Die AMERA (l.) und die ARTANIA (r.).

 

Eine Freundin hatte uns einen gut ausgearbeiteten Vorschlag per Mail zugeschickt, wie man mit Bussen das Hinterland erkunden kann. Teneriffa ist bekannt für sein vorbildliches öffentliches Bus-System. Aber wie so oft, hat bei uns die Trägheit gesiegt, gepaart mit den Berührungsängsten gegenüber örtlichen Busfahrplänen, sodass wir beschlossen, lediglich die Örtlichkeiten in Hafennähe zu erkunden.

Ein erster Gang führte uns jedoch zu einer etwas abgelegeneren Pier, wo der russische Großsegler Kruzenshtern lag (eingedeutscht: Krusenstern; russisch Крузенште́рн,), eine imposante Viermastbark.

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Die Kruzenshtern.

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Das sog. "Bunkern" erfolgt nicht mit einem Förderband, sondern mit einer Menschenkette.

 

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Dort hatten wir auch gesessen, als uns die Schweiz beinahe den Krieg erklärt hätte.


Als wir uns auf den Rand eines Brunnes setzten, um den Stadtplan zu studieren, versuchte uns eine Gruppe Schweizer sehr rüde von unseren Sitzplätzen zu vertreiben, weil wir die Ästhetik ihrer fotografischen Kunst störten. Da wir den Kasernenhofton einfach ignorierten, wurden sie verbal ausfallend, was uns allerdings nur dazu veranlasste, unser Kartenmaterial noch genauer und ausgiebiger zu studieren.

 

So wussten wir jetzt genau, wo sich die Iglesia de la Concepción (Kirche der unbefleckten Empfängnis) zu finden ist oder wo genau der Mercado Municipal Nuestra Señora de África La Recova liegt, eine Markthalle mit imposantem Eingangstor und Arkaden, wo an diesem Samstagvormittag reges Markttreiben herrschte. Unsere ersten Ziele waren also ausgemacht.

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Morbider Charme.

 

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Puppentheater haben weltweit ...

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... die gleiche Faszination für die Kinder.

 

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Auf der AMERA war vieles neuwertiger als auf der ARTANIA. So ließ der Fitnessraum auf der AMERA keine Wünsche offen.

Als wir gegen 15:00 Uhr zurück zum Hafen kamen, statteten wir der AMERA noch einen Besuch ab. Normalerweise kommt man nicht so ohne weiteres auf andere Kreuzfahrtschiffe, aber da die AMERA ja auch ein PHOENIX-Schiff ist, war das kein Problem.
Die AMERA ist erst seit wenigen Monaten für Phoenix unterwegs. Bis dato hieß sie Prinsendam, wurde für 40 Millionen Euro runderneuert und bekam in den PHOENIX-Farben einen neuen Anstrich.

 

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Jam-Session auf dem Außendeck achtern auf der ARTANIA.


Normalerweise beobachten wir gerne die Ablegemanöver und das Auslaufen der ARTANIA an der Reling. Es ist immer wieder ein besonderes Gefühl und Erlebnis, wenn sich der Koloss ganz langsam in Bewegung setzt, den Hafen verlässt und das nächste Ziel ansteuert. Aber als wir heute gegen 23 Uhr ablegten, lagen wir schon in unseren Kojen.

 

 

9. Reisetag – Sonntag, 29.12.2019 – Auf See

Die vielen Seetage sind ganz nach unserem Geschmack. Man kann das Bordleben genießen, erlebt wenig, was interessant genug für den Blog ist, spart also Schreibarbeit und lebt völlig entschleunigt in den Tag hinein, denn man braucht sich ja um nichts kümmern.

Am Nachmittag gab es einen Cocktailempfang für alle Passagiere, die die gesamte Weltreise mitmachen, immerhin stattliche 332 an der Zahl.

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Auf dem Außendeck mittschiffs befindet sich die Kopernikus Bar.
Der Platz reichte gerade so für die große Zahl der Weltreisenden.

 


Das Dreigestirn der Kreuzfahrt, nämlich der Kapitän, der Kreuzfahrtdirektor und die Hoteldirektorin richten einige schöne Worte an uns, ......

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Das "Dreigestirn": Kapitän Wojciech Ziolkowski, Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka und Hoteldirektorin Maria Zelenka.

 

..... wobei der Kapitän den Vogel abschoss und verkündete: “Liebe Gäste, ich habe Sie alle schon jetzt ins Herz geschlossen.“ Das glaube ich ihm natürlich unbesehen!
Ich frage mich nur, ob auch die anderen 750 Passagiere, die nur einzelne Etappen dieser Reise gebucht haben, ebenfalls noch Platz in seinem Herzen haben oder ob hierfür sein 1. Offizier herhalten muss.

 

10. Reisetag – Montag, 30.12.2019 – Auf See

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Wie meistens beginnt an Seetagen nach dem Frühstück mein „Arbeitstag“ im „Büro“, um an der Fortführung des Blogs zu arbeiten. „Mein Büro“ ist der frühere Jamaika-Club, das Spielzimmer auf Deck 3. Heute nennt sich der Raum „Bibliothek“ und ist, wie der Name schon sagt, Bibliothek aber auch gleichzeitig weiterhin Spielzimmer. Die Möblierung ist neu und ansprechend und durch einen Raumteiler optisch in zwei Hälften gegliedert. Unter der Bibliothek darf man sich nicht wirklich etwas Dolles vorstellen. Hier werden in den Schränken die ausrangierten Simmels und Konsaliks aufgehoben, die frühere Passagiere an Bord gelassen haben. Einzig die mehrbändige in Leder gebundene Ausgabe von „The New Encyclopædia Britannica“ von 2005 verleiht der Mini-Sammlung einen Hauch von Exklusivität.
Dort wo früher die Bibliothek war – auf Deck 7 – befinden sich jetzt 2 oder 3 neue Kabinen.

Um 11:00 musste ich meine Arbeit im Büro unterbrechen, weil der „ARTANIA FernSEEgarten“ in der Kopernikus-Bar (Außendeck 8 mittschiffs) losging und ich meiner journalistischen Pflicht als Blog-Schreiber nachkommen musste.

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Der Eisschnitzer in Aktion.


Geboten wurde Gesang, ein bisschen Akrobatik, Plaudereien über die Arbeit in Küche und Bar, das Ganze also durchaus angelehnt an Kiwis ZDF-Fernsehgarten. Man beachte allerdings die unterschiedlichen Schreibweisen.

 

Noch während die Veranstaltung lief, wechselten Doris und ich von der Kopernikus Bar an den Pool, um dort ein paar Runden zu schwimmen. Poolbesuche empfehlen sich, wenn Veranstaltungen laufen oder das Mittagessen ansteht. Dann hat man Platz und kann tatsächlich ein paar (zugegeben kurze) Bahnen schwimmen.

 

 

11. Reisetag – Dienstag, 31.12.2019 – Porto Novo/Insel Santo Antao (Kapverdische Inseln)

Kap Verde, amtlich Cabo Verde, portugiesisch Cabo Verde ist ein afrikanischer Inselstaat, bestehend aus den Kapverdischen Inseln mit neun bewohnten Inseln im Zentralatlantik, 570 Kilometer vor der Westküste des afrikanischen Kontinents. Der Archipel hat eine Landfläche von 4033 km² und etwa 546.000 Einwohner. Die Hauptstadt ist Praia.
Die Kapverdischen Inseln waren vor ihrer Entdeckung und Besiedlung durch Portugiesen unbewohnt. Aus der Durchmischung der Kulturen europäischer Siedler und afrikanischer Sklaven bildete sich eine neue kreolische Kultur. (Quelle: Wikipedia)

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Pünktlich um 8:00 ankerten wir vor dem kleinen Hafen in Porto Novo auf der Insel Santo Antao . Die dortige Pier war zu klein für unser großes Schiff, sodass die Passagiere mit den Rettungs­booten an Land gebracht wurden.

 

In diesem Fall spricht man allerdings dann nicht von Rettungs- sondern von Tenderbooten, denn wir werden ja nicht gerettet, sondern werden an Land getendert.
Da nicht alle 1000 Passagiere gleichzeitig, trotz der drei sich im Einsatz befindlichen Tenderboote, an Land gebracht werden können, muss eine Reihenfolge festgelegt werden. So kamen zunächst die Leute dran, die Ausflüge gebucht hatten und deren Busse bereits an Land warteten. Erst dann kommen die „Freigänger“ deckweise an die Reihe. Damit das Ganze geordnet ablaufen kann, sammeln sich die einzelnen Gruppen nach einem Zeitplan in der Atlantic Lounge und werden von dort zum Einstieg in die Tenderboote geführt.
Da auch wir einen Ausflug gebucht hatten, begaben wir uns bereits um 9:00 Uhr, wie es der Zeitplan vorsah, gebügelt und gekämmt in die Atlantic Lounge und tenderten an Land. Dort warteten 3 Minibusse auf uns, die jeweils 10 Leute aufnahmen um uns quer über die Insel in das Städtchen Ribeira Grande zu fahren. Unsere Ausflug war als reiner Transfer ausgelegt, also ohne örtlichen Reiseleiter und den damit verbundenen Erklärungen. Hier sollte der Weg das Ziel sein. Und so war es auch.

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Auch wenn wir auf der "falschen" Seite des Busses saßen, gab es trotzdem schöne Motive.

Im Hafenbereich gab es kaum Grün und die Landschaft war recht karg. Aber schon nach einigen Kilometern Fahrt in Richtung Gebirge änderte sich das mehr und mehr. Und vor allem die hohen steilen Berge und die tiefen Täler boten einen atemberaubenden Anblick. Leider saß ich auf der falschen Seite im Bus. Die eben beschriebene Grandiosität gab es nur in Fahrtrichtung rechts, während es links, wo wir saßen,  landschaftlich etwas beschaulicher zuging. Also war da erst mal nix mit Fotografieren. Aber auf der Rückfahrt werden wir dann auf der interessanteren Seite sitzen.
Erwähnenswert ist sicherlich noch, dass die Straße nach Ribeira Grande, die wir anderthalb Stunden lang befuhren, von Anfang bis Ende nicht asphaltiert, sondern gepflastert ist, also eine prima Holperstrecke.

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Der Ort selbst war touristisch kaum erschlossen, also keine Souvenirshops. Da nicht nur unsere 3 Transferbusse, sondern auch „richtige“ Ausflüge den Ort als Ziel hatten, war dieser fest in der Hand der Phoenix-Touristen. Und die Hauptbeschäftigung dieser Phoenix-Ausflügler war während des knapp einstündigen Aufenthalts  Schlangestehen vor der einzigen öffentlichen (und kostenlosen) Toilette des Städtchens. Wir selbst konnten die Zeit etwas besser nutzen, da wir in einem kleinen Supermarkt mit angeschlossenem Café 1 € für eine Flasche Wasser investierten und deshalb (ohne Schlangestehen) das dortige WC benutzen durften. So hatten wir genügend Zeit ein wenig durch die Gassen zu schlendern, bevor wir wieder zurück zu unserem Bus mussten.
Blöd war jetzt nur, dass wir nicht mehr über das Gebirge zurückfuhren, sondern an der Küste entlang. Also gibt es keine Fotos von den spektakulären Talschluchten. Dafür war die Straße jetzt asphaltiert und zu gucken gab es ja auch hier immer noch etwas.
An der Tenderpier warteten schon 2 Tenderboote sowohl auf unseren als auch auf die anderen Ausflüge, die ziemlich zeitgleich dort alle ankamen. Wir kamen genau in das erste Boot nicht mehr rein, das alsbald die Pier Richtung ARTANIA verließ. So nahmen wir im zweiten Boot Platz, das sich auch relativ schnell gefüllt hatte und eigentlich ebenfalls fertig für die Abfahrt zur ARTANIA war. Eigentlich, denn es fuhr und fuhr nicht ab. Alle Leute nahmen dies klaglos hin. Alle? Nein, einer fragte höflich aber bestimmt einen Offizier von der ARTANIA, der an der Tenderpier stand, was denn der Grund für die Verzögerung sei, schließlich ging es schon  stark auf 14:00 Uhr zu und die Restaurants auf dem Schiff drohten zu schließen. Der Fragesteller erhielt die einleuchtende Antwort, dass es zurzeit wegen des starken Schwells zum Tendern zu gefährlich sei. Der Fragesteller (ein gewisser Peter H.) bemerkte noch, dass es durchaus sinnvoll wäre, die Passagiere über die Situation zu informieren. Der Offizier zeigte sich sehr einsichtig und kam dieser Empfehlung auch nach. Es wurde sogar noch kundenfreundlicher. Man bot uns an, wieder auszusteigen; wir würden informiert, wenn es wieder weiter ginge.
Der Schwell, auch oft als Dünung bezeichnet, also langgezogene hohe Wellen machen das Tendern tatsächlich gefährlich. Zwar schaukelt dann das Boot ganz gewaltig während der Fahrt, aber das ist nicht das Problem. Erst beim Anlegen und Festmachen an der Gangwayplattform der ARTANIA wird es knifflig, denn dort bleibt das Boot nicht ruhig liegen, sondern fährt wie ein Fahrstuhl auf und ab, was beim Übergang vom Boot zur Gangway eine gewisse sportliche Beweglichkeit erfordert, die naturgemäß bei vielen Passagieren nicht gegeben ist.

 

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Wir nahmen das Angebot, wieder aussteigen zu können, gerne an. Im nahegelegen Hafengebäude gab es eine Cafeteria, wo wir auch eine Kleinigkeit zu Essen bekamen und mit Euros bezahlen konnten.

Nachdem das Tendern wieder weiterging, fuhren wir zur ARTANIA zurück. Der Schwell hatte zwar nachgelassen, verlangte aber von den Crewmitgliedern, die den Leuten beim Übergang vom Tender zur Gangway Hilfestellung leisteten, ganze Arbeit ab. Immer für die kurzen Augenblicke, an denen der Tender relativ ruhig lag, musste man beherzt einen großen Schritt machen, um auf die Gangway rüber zu kommen. Bei ängstlichen oder zögerlichen Passagieren mussten die Crewmitglieder dann recht kräftig zupacken, um diese schnell und sicher auf die Gangwayplattform zu hieven.


Um 18:30 Uhr legten wir mit halbstündiger Verspätung ab, hatten es aber nicht sehr weit bis zum nächsten Hafen Mindelo auf der Nachbarinsel São Vicente.  Gerade mal schlappe 8 Seemeilen ist Mindelo von Porto Novo entfernt. Schon eine halbe Stunde später machten wir an dieser neuen Destination wieder fest und der Silvesterabend konnte seinen Lauf nehmen.

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Auch im Lido-Buffetrestaurant ging es festlich zu.


Galadinner, Silvestershow, kapverdische Folklore in der Phoenix Bar und auch in den anderen Bars gab es die verschiedensten Musikdarbietungen.

 

Überall auf den Außendecks wurden Sektstationen aufgebaut, um rechtzeitig alle 1000 Gäste getränkemäßig versorgen zu können.
Vor zwei Jahren auf der AMADEA gelang es Doris, die keinen Alkohol trinkt, nicht, statt des Sekts, der in Strömen floss (gratis) ein Gläschen Orangensaft zu bekommen.
Aus dieser Erfahrung heraus fragten wir kurz bei einer der Sektstationen, ob es denn auch O-Saft geben wird. Betroffen stellte man fest, dass man wieder nicht an den Saft gedacht hatte. Aber es wurde sofort Abhilfe geschaffen, sodass ich diesmal um Mitternacht mit Doris anstoßen konnte.

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Alle im Hafen und auf Reede liegenden Schiffe begrüßten das Neue Jahr 2020 mit ohrenbetäubendem Tuten ihrer Schiffshörner und Schiffssirenen. Im Ort wurde eine großes 20-minütiges Feuerwerk abgebrannt.

So begrüßt die christliche Seefahrt das Neue Jahr 2020.
Der Kameramann muss allerdings noch üben, um die Schwenks ruhiger hinzubekommen.

 

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Für einige Minuten fanden die Damen vom Sekt-Service Zeit, sich das Feuerwerk anzuschauen.


Achtern am Außendeck in der Phoenix Bar bot das große Mitternachtsbuffet dem ausgehungerten Gast Gelegenheit noch rasch eine Gulaschsuppe, ein Würstchen, einen Krapfen oder etwas Fischiges zu sich zu nehmen.

 

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Die Spirit Band, ansonsten mit Schlager und Pop für die Tanzabende in der Pazifik Lounge zuständig, rockte an diesem Abend was das Zeug hielt. Mit Songs von Status Quo, Deep Purple, Tina Turner usw. hielten sie die Stimmung am Kochen.

 

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12. Reisetag – Mittwoch, 01.01.2020 – Mindelo/Insel São Vicente (Kapverdische Inseln)

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Frisch und unverkatert begannen wir an diesem Neujahrsmorgen um 10:00 Uhr Mindelo einen Besuch abzustatten. Der Ort war an diesem Vormittag wahrscheinlich noch verschlafener als sonst.

 

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Das Highlight war sicherlich unser Besuch der Ausstellung „Akuaba Africa“ im Palácio de Povo, dem rosafarbenen ehemaligen Gouverneurspalast. Hier wurde moderne afrikanische Kunst gezeigt, die uns sehr angesprochen hat.

 

 

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Moderne Kunst mit traditionellen afrikanischen Motiven.

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Er würde sofort wieder in Deutschland anfangen zu arbeiten,
wenn man ihn denn ließe.


Auf unserem Weg durch die Straßen grüßte uns ein Mann in deutscher Sprache. Man kommt ins Gespräch („Woher sprechen Sie gut deutsch?“). Wir erfuhren, dass er zwei Jahre in Deutschland als Elektriker  gearbeitet hat, allerdings ohne gültige Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. Bei einer Kontrolle flog er auf und befand sich innerhalb von zwei Tagen wieder auf den Kap Verden. Ein Mann, der in dieser Zeit fast fließend Deutsch sprechen gelernt hat, der als Elektriker sicher zu den Facharbeitern zu zählen ist, an denen wir in Deutschland einen Mangel haben, wurde abgeschoben.
Finde den Fehler!
Nicht die Qualifikation, nicht die Sprache, nicht die Bereitschaft zur Integration ist das Problem, sondern die gründliche deutsche Bürokratie.

 


Auf den Kap Verden ist Arbeit Mangelware, nicht von ungefähr waren an jeder Ecke bettelnde Menschen zu sehen.

 

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Nicht nur die großen Sehenwürdigkeiten, sonder auch die kleinen ...

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... scheinbar unbedeutenden Motive machen dem Betrachter Freude.

 

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Man sieht noch ein wenig von der Silvester-Deko am Heck der ARTANIA.



Nach knapp 4 Stunden „Neujahrs­spaziergang“ zog es uns wieder zum Schiff zurück.

 

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Da bemerkte Doris, dass sie ihr Mäppchen mit dem Bordausweis nicht mehr hatte. Das Mäppchen steckte ursprünglich in der Brusttasche ihrer Bluse und jetzt eben nicht mehr. Wir erinnerten uns, dass ganz am Anfang unseres Besichtigungstrips ein junger Mann sehr aufdringlich „Happy New Year“ wünschte und dabei den Arm um Doris legte, die sich zwar dagegen wehrte, aber da war das Mäppchen wohl schon weg. Dass gleichzeitig ein „Bekannter“ des Umarmers auftauchte, bestätigt nur unseren Verdacht, dass es sich bei der Aktion um das sogenannte Antanzen gehandelt hat. Im Tagesprogramm wurde übrigens vor Taschendieben gewarnt.
Der Schaden war allerdings sehr begrenzt. Außer dem Mäppchen und dem scheckkartengroßen Bordausweis ging noch ein Zettel mit unserem Paßwort zum Schiffsinternet verlustig. Da für den Missbrauch dieser Daten unser Dieb noch den Username, die Kabinennummer (diese standen weder auf dem Zettel noch auf dem Ausweis) und das Schiff selbst benötigt hätte, machte uns das wenig Kopfzerbrechen.
Der gestohlene Ausweis und das Mäppchen wurden von Phoenix an der Rezeption klaglos ersetzt. Erst jetzt gab es kleinere Irritationen. Mit dem neuen Ausweis von Doris bekam auch das elektronische Schloss unserer Kabine eine neue Codierung, denn der Ausweis dient gleichzeitig als Kabinenschlüssel. Leider hatte niemand daran gedacht, dass jetzt mein Bordausweis nicht mehr als Türöffner funktionierte. Als ich später dann merkte, dass ich nicht mehr in unsere Kabine komme, ließ ich meine Karte an der Rezeption neu kodieren. Dabei muss die Dame wohl auch gleichzeitig noch schnell eine neue Schlosskodierung konfiguriert haben. Das Ergebnis ist ja bereits bekannt. Jetzt kam Doris nicht mehr alleine in die Kabine rein. Erst im dritten Anlauf (am nächsten Tag), als wir Beide an der Rezeption vorstellig wurden, hatte jeder wieder eine Karte, die sowohl als Kabinenschlüssel als auch zur Kontrolle beim Verlassen (Checkout) und dem Betreten des Schiffs (Checkin) funktionierte.


Um 18:00 verließen wir pünktlich den Hafen von Mindelo.

 

 

13. Reisetag – Donnerstag, 02.01.2020 – Praia/Insel Santiago (Kapverdische Inseln)

Heute konnten wir nicht pünktlich anlegen. Der Lotse hatte wohl verschlafen. Als die ARTANIA ca. 1-2 Seemeilen vor dem Hafen von Praia den Lotsen an Bord nehmen wollte, war keiner da. Über die üblichen Funkfrequenzen bekam der Kapitän auch keinen Kontakt zur Hafenbehörde. Erst per Handy gelang es, jemanden an die Strippe zu bekommen. Dort wurde versprochen, dass der Lotse in 8 Minuten an Bord kommen würde, eine äußerst sportliche Zeitprognose. Natürlich war kein Lotse nach 8 Minuten da, auch nicht nach 20 Minuten. Erneute Nachfrage, was denn los sei. Ja, das Lotsenboot hat einen technischen Defekt und kann nicht losfahren, aber der Lotse würde jetzt mit einem Schlepper zu ARTANIA gebracht.
Und so geschah es, dass wir überglücklich, wenngleich etwas verspätet, an der Pier im Hafen von Praia festmachten.
Da wir für den Nachmittag eine Tour im Geländewagen gebucht hatten, hätten wir am Vormittag per Shuttlebus ins Zentrum von Praia fahren können. Aber die Zeiten, wo wir die touristischen Gelegenheiten zu 100% ausnutzten sind vorbei und wir lassen es lieber ruhig angehen. So nutzten wir den Vormittag an Bord, um eine Runde im Pool zu schwimmen. Wir waren die Einzigen im Wasser und rund um den Pool war auch nicht viel los.
Wir kamen zur Erkenntnis, dass es wohl optimal wäre, an Landtagen an Bord zu bleiben und hingegen die Seetage für die Landgänge zu nutzen. (Finde den Fehler!)

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Fotostopp irgendwo im Gelände.


Am Nachmittag startete die bereits erwähnte Tour mit den Geländewagen. Wir wurden in 3er- und 4er-Gruppen eingeteilt und auf die vorhandenen Geländewagen verteilt. Wir hatten Glück, da Doris, ich und ein alleinreisender Herr eine 3er-Gruppe bildeten und wir so reichlich Platz in dem Fahrzeug hatten. Doris und der Fahrer saßen vorne, der Herr und ich ebenfalls sehr bequem hinten.
Im Gegensatz zu der Fahrt vorgestern, war die Gegend heute sehr karg, teilweise einer Wüste sehr ähnlich. Es ging abseits der geteerten Straße ins Gelände. Wir machten mehrere Stopps, wobei sich eigentlich nicht erschloss, wozu eigentlich.

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Der Rechte (das ist jetzt nicht politisch gemeint) mit der FCB-Kappe war unser Fahrer.

 

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Dieses helle Gestein auf dem wir stehen
ist eigentlich wertvoller Rohstoff.

Zwei Stopps sind allerdings doch erwähnenswert.
Bei dem einen sagte ich spöttisch, dass es sich um einen Ablageplatz für Bauschutt handeln könne. Und das war gar nicht so verkehrt. Das helle Gestein eignet sich vorzüglich für die Herstellung von Zement und wurde deshalb abgebaut und verarbeitet. Allerdings könnten die Chinesen, wie der Guide erklärte, den Zement sehr viel billiger liefern als die einheimische Produktion, so dass diese dann ganz zum Erliegen kam.

 

 

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Wieso es zu dieser im Grunde ungesunden Entwicklung kam, war dann auch schnell erkennbar. Das Gestein wurde mit einfachen Werkzeugen abgebaut und mit einem Stampfer manuell pulverisiert. Dass dieses Verfahren nicht konkurrenzfähig ist, liegt auf der Hand.

 

Die Frage, warum allerdings die Regierung nicht die Voraussetzungen schafft, dass hier in die notwendige Technologie investiert wird, bleibt offen.

 

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Der zweite, etwas interessantere Stopp, war an einem Strandrestaurant. Hier gab es auch ein kleines Hotel und ein ganz klein wenig Tourismus für Leute, die es einfach und schlicht lieben.

 

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Um ein Resümee zu ziehen: Die Fahrt war zwar nicht spektakulär, aber zeigte ungeschminkt wie die Gegend und die Dörfer hier sind.

 

 


Ein kleiner Unfall trübte die Fahrt etwas. Wir fuhren im Konvoi und ein Wagen fuhr auf seinen Vordermann auf. Der Unfallverursacher wirkte sehr verzweifelt, obwohl der Schaden überschaubar schien. Vielleicht hatte er Angst, seinen Job als Fahrer zu verlieren. Die Insassen des Unglücksfahrers wurden auf andere Fahrzeuge verteilt, wohl weil man nicht ganz sicher war, ob das Fahrzeug nicht doch einen größeren Schaden abbekommen hatte.

 

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Was den Ausflug ebenfalls trübte und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, war die dichte Dunstglocke, die die Gegend einhüllte. Ursache war feiner Sand in der Luft, der aus Afrika herübergeweht wurde. So war es kaum möglich, halbwegs gute Landschaftsaufnahmen zu machen.

 

Am Abend um 18:30 Uhr konnten wir pünktlich auslaufen. Der Lotse hatte wohl seinen Mittagsschlaf rechtzeitig beendet und lotste uns sicher aus dem Hafenbecken durch die schmale Hafeneinfahrt aufs offene Wasser und wurde vom mittlerweile wieder intakten Lotsenboot aufgenommen, während wir mit südwestlichem Kurs unseren nächsten Hafen ansteuerten, den wir erst nach 6 Seetagen erreichen werden.

 

 

14. Reisetag – Freitag, 03.01.2020 – Seetag

Ein ganz gewöhnlicher Seetag, der wenig bietet, was es wert ist, im Blog zu dokumentieren. Wir sprechen bei Seetagen gerne vom „Urlaub im Urlaub“.
Das Tagesprogramm ist pickepacke voll mit allerlei Vergnüglichkeiten und Beschäftigungstherapie für gelangweilte Kreuzfahrer, aber auch interessanten Vorträgen. Die an Bord befindliche Lektorin Katharina Bahlcke wird durch die Bank für ihren Vortragsstil und die Vermittlung von Wissen und Informationen von allen Seiten gelobt.
Ich selbst habe trotz „Urlaub im Urlaub“ wenig Zeit, Vorträge oder Bastelkurse zu besuchen, da die Pflicht in Sachen Blogarbeit ruft, eine Pflicht, die mir allerdings viel Spaß macht.
Einen Vortrag, der von Phoenix gerne und oft engagierten Psychologin Uta von Diemer möchte ich aber nicht unerwähnt lassen.
Lesen Sie selbst:
Praenatal

Ich wundere mich deswegen ein wenig, da bei den an Bord befindlichen Kreuzfahrern die Quote der Frauen im gebärfähigen Alter und die Paare mit Kinderwunsch im unteren Promille-Bereich liegen dürfte. Also ist der Vortrag nicht im Bereich Lebenshilfe anzusiedeln, sondern eher unter akademischer Allgemeinbildung zu betrachten.
Aber vielleicht wird ja nächste Woche ein Vortrag „Sex im Alter“ angeboten????

Am frühen Nachmittag wird plötzlich unser südlicher Kurs auf Nordost gewechselt. Wir werden per Bordlautsprecher vom Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka darüber informiert, dass ein Crewmitglied dringend in ein Krankenhaus gebracht werden müsse, um dort operiert zu werden. Deshalb nehmen wir jetzt Kurs auf Dakar, der Hauptstadt des Senegals. Dort soll dann die sogenannte „medizinische Ausschiffung“ des Patienten erfolgen.
Fährt die ARTANIA in der Regel eine Geschwindigkeit von 15 Knoten (ca. 27,8 Km/Stunde), so betrug unsere Geschwindigkeit jetzt etwas mehr als 20 Knoten (ca. 37 Km/Stunde).

 

 

15. Reisetag – Samstag, 04.01.2020 – Seetag

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In der sog. Cruise-Show werden über das Bord-Fernsehen ständig aktuelle Daten über aktuellen und geplanten Kurs, Wetterdaten, aktuelle Koordinaten etc. gezeigt.
Hier sieht man recht gut, dass wir ca. 18 Stunden, nachdem wir Praia auf den Kap Verden verlassen hatten, abrupt den Kurs Richtung Dakar geändert haben. (Zum Vergrößern der Fotos einfach drauf klicken.)

Gegen 9:00 Uhr erreichten wir die Gewässer vor Dakar, wahrscheinlich einige wenige Seemeilen vom Hafen entfernt. Land war nicht zu sehen, was an der immer noch aus Sand bestehenden Dunstglocke lag. Hier hat sich seit Praia nichts geändert.
Warum wir nicht den Hafen direkt angelaufen haben, mag darin begründet sein, dass keine Pier zum Anlegen frei war. Oder aber es konnte pragmatische Gründe haben, da ein Festmachen gleichzeitig eine Einreise bedeutet, mit allen damit verbundenen Formalitäten, Papieren und Regelungen.
So war die Überführung des Patienten ins Krankenhaus eher mit Tendern unter erschwerten Bedingungen zu vergleichen. An der Aktion waren 3 Boote beteiligt. Zunächst legte sich ein Zodiak mit mehreren Mitarbeitern des Krankenhauses längs an die ARTANIA. Über eine Jakobsleiter gelangten sie auf unser Schiff, um den Zustand und die Transportfähigkeit des Patienten zu beurteilen. Ein weiteres Boot nahm schließlich das erkrankte Crew-Mitglied auf, während die ganze Aktion von einem Boot der Küstenwache begleitet wurde.

 

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Ich habe mir lange überlegt, ob ich mich in die Reihe der Fotografen an der Reling einreihe, um Fotos zu machen und das Manöver zu beobachten oder nicht. Ich habe mich dann entschieden, mir zumindest den Anfang der Aktion anzusehen, ein paar Fotos zu machen und dann wieder in das Schiffsinnere zu entschwinden.
Die Einschätzung, ob ich jetzt ein Gaffer bin oder nicht, kann nun jeder selbst treffen.
Das Manöver gelang und die ARTANIA drehte ab und fuhr weiter unter Vollgas Richtung Süden.
Jetzt konnte man sich wieder Gedanken machen, wie der Reiseverlauf fortgesetzt werden könnte. Durch die hohe Geschwindigkeit, die beibehalten wurde, sowie günstige Wind- und Strömungsverhältnisse, waren nur geringfügige Änderungen der Routenplanung notwendig. So sollte die Insel St. Helena nicht am 8. sondern erst am 9. Januar angelaufen werden und die Aufenthaltsdauer auf einen halben Tag verkürzt werden. Auch die geplante Umrundung von Ascension Island würde stattfinden.
Somit war wieder alles im grünen Bereich und das Bordleben ging einmal mehr seinen geregelten Gang.

 

 

16. Reisetag – Sonntag, 05.01.2020 – Seetag

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Das heute Sonntag ist, merkten wir höchstens daran, dass es beim Frühstück Sekt gab und zur Feier des Tages die Kaffeestunde um 15:30 Uhr unter dem Motto „Alles Schokolade“ stand.

 

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Inzwischen hat sich auf dem Schiff eine Erkältungswelle ausgebreitet. Das Wartezimmer bei den beiden Schiffsärzten ist zu den Sprechstunden brechend voll. Das wissen wir allerdings nur aus Erzählungen anderer Mitreisenden, denn zum Glück wurden wir selbst verschont.
Vor den Restaurants wird jetzt streng kontrolliert, dass man sich an den Eingängen der Restaurants die Hände desinfiziert.
Ansonsten: Keine besonderen Vorkommnisse.

 

17. Reisetag – Montag, 06.01.2020 – Seetag

Gegen 8:45 Uhr überquerte die ARTANIA den Äquator. Die eigentliche Äquatortaufe war für 11:15 Uhr in der Kopernikus Bar angesetzt und anscheinend alle 930 Passagiere (endlich weiß ich die offizielle Zahl) fanden sich auf Deck 8 und den Balustraden auf Deck 9 ein.

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Neptun (alias Max von Phoenix) ...



Das Spektakulum und der Mummenschanz ist immer gleich. Neptun und sein Gefolge erscheinen mit viel Lärm und Getöse. Neptun beschwert sich ob des frevelhaften Eindringens unseres Schiffchens, beschimpft ein wenig Kapitän und Passagiere und lässt sich dann mit einer Flasche Schnaps besänftigen.

 

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... und sein Team.

 

Nun kann, wer will, sich taufen lassen Zuerst muss man einen Fisch küssen, dann wird man mit bunter Sahne eingeseift und schließlich in den kleinen Pool geschmissen. Dafür erhält der Täufling schließlich einen Wodka und alle Passagiere, ob getauft oder nicht, am Abend eine Urkunde auf die Kabine.
So war es immer und so wird es immer sein.
Um aktuelle Fotos zu machen, wohnten wir dem Anfang der Zeremonie bei, um dann gleich im großen Pool schwimmen zu gehen. Hier trafen wir nur auf wenige Tauf-Verweigerer.
Allerdings hätte ich Fotos von unserer Tour auf der Artania 2015 nehmen können. Das hätte sicher niemand bemerkt. Aber Fakenews oder Fakefotos in meinem Blog?

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Und alle alle kamen.

 

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Am Nachmittag stand schon wieder ein Mega-Event auf der Tagesordnung, nämlich die Übergabe des Wunschbaums an die See. Seit den Weihnachtstagen stand ein Tannenbaum in Harry’s Bar. An den selbigen konnte man kleine Zettelchen befestigen, auf die die Leute persönliche Wünsche schrieben. In einer Trauerzeremonie wurde nun Abschied vom Wunschbaum genommen, denn dieser wurde am heutigen Tag der Heiligen Drei Könige den Wellen des Atlantiks übergeben.

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Dieses Video wurde von mir am 6.Jan. 2018 auf der MS AMADEA aufgenommen. Aber da dort die Zeremonie einschließlich des gespielten Trauermarsches absulut identisch war, kann es hier ohne Bedenken noch einmal verwendet werden. ????

 

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18. Reisetag – Dienstag, 07.01.2020 – Seetag

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Das 2. Netbook, das auf dem Foto zu sehen ist, gehört Doris. Sie versucht, die größten orthographischen Böcke, die ich beim Schreiben geschossen habe, wieder auszumerzen.



Den Vormittag verbrachte ich wieder mal in meinem „Büro“.

 

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Noch vor dem Mittagessen kam die Insel Ascension in Sicht. Dieses Inselchen, zwischen Afrika und Südamerika gelegen, gehört zum Britischen Überseegebiet St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha. Die Hauptstadt ist Georgetown. Hier leben ca. 800 Menschen. Die Insel ist von strategischer Bedeutung und wird von den Amerikanern als Militärstützpunkt und Spionage- und Abhörstation der NSA genutzt. Als „Normalsterblicher“ und Nicht-Einheimischer hat man kaum eine Chance, die Insel betreten zu dürfen, da hier das Militär und die Geheimdienste sehr restriktiv die notwenige Einreiseerlaubnis erteilen. Geplant war laut Routenplan eine Umrundung der Insel, aber aus Zeitgründen fuhren wir nur dicht vorbei. Eine Umrundung wäre auch relativ wirkungslos verpufft, da die Zeit fürs Mittagessen immer näher rückte und nur die Wenigsten würden an der Reling stehen bleiben.

Schaschlik

Und so ließen wir schon bald die Insel hinter uns.

Am Nachmittag hieß es, sehr tapfer zu sein, denn das Tagesprogramm versprach:

Eissalon

Da aber auch beim Mittag- und beim Abendessen eine Eisstation lockt und da wir uns die Beschränkung auferlegt hatten „maximal 1 Eis pro Tag“, mussten wir dieser Veranstaltung schweren Herzens fernbleiben.

 

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Ca. 19:00 Uhr: Idyllischer Sonnenuntergang vor dem Abendessen.


Der Rest des Tages verlief unspektakulär, sieht man einmal davon ab, dass wir zum ersten Mal am Abend das Bordkino besuchten, um uns einen Film anzuschauen. Es wurde der mit vier Oscars ausgezeichnete Film „Bohemian Rhapsody“ gezeigt.

 

 

19. Reisetag – Mittwoch, 08.01.2020 – Seetag

Dass die Kombination Internet und ARTANIA nicht immer problemlos ist, hatte ich ja schon kurz erwähnt. So können sich die Passagiere ein sogenanntes Paket erwerben. Damit können sie ins Internet und wenn die gebuchte Datenmenge verbraucht ist, muss ein neues Paket gekauft werden oder man kann eben nicht mehr ins Internet. Dieses Angebot wird gerne genutzt, aber damit beginnen die Probleme. Trotz einer vorhandenen (knappen) schriftlichen Anleitung tauchen immer wieder die vielfältigsten Fragen auf, wie etwa diese:
- Wie verbinde ich mich überhaupt mit dem Schiffs-WLAN?
- Warum ist mein Paket verbraucht, obwohl ich nur eine Mail versendet habe? (Weil dein Smart-Phone ein geheimes Eigenleben führt und im Hintergrund Apps aktualisiert und so dein schönes Datenkontingent verbrät!).
- Ich habe meine Telefon-PIN vergessen, was nun? (Da kann Phoenix gar nichts machen!)
Also gehen diese Passagiere, und das sind nicht wenige, mit ihren Problemen und Problemchen zur Rezeption, wo jeder einzelne eine persönliche Beratung erhält, soweit das mit dem technischen Knowhow der Rezeptionsbesetzung überhaupt möglich ist. Auf jeden Fall blockiert das den normalen Betrieb, und Doris hat schon das ein oder andere mal lange warten müssen, um zum Beispiel Kleingeld für den Waschsalon zu wechseln oder um einen Techniker zu ordern, weil die Klimaanlage in der Kabine nicht ordentlich klimatisiert.
Jetzt hat die Reiseleitung hierzu eine Superidee. Einen Workshop, um solche Fragen zu klären.

WLAN-Workshop

Statler und Waldorf muppet Show ji

Dass die Erkenntnis für die Notwendigkeit einer solchen Veranstaltung bereits nach fast dreiwöchiger Reisedauer erfolgt, ist schon bewundernswert.
Die von mir grob skizzierten Probleme, die viele Mitreisende mit dem Schiffsinternet haben, sind nicht neu. Wir haben genau diese Phänomene bereits vor zwei Jahren auf der AMADEA und vor drei Jahren hier auf der ARTANIA beobachtet. Und auch der Umgang damit ist absolut identisch. Statt gleich am Anfang der Reise eine gute und umfassende Informationsveranstaltung anzubieten, versuchen Rezeption und Reiseleitung erstmal aufwändig dem nicht immer technisch sehr verständigen Passagier individuell zu helfen.

 

 

20. Reisetag – Donnerstag, 09.01.2020 – St. Helena/St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha

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Soeben haben wir unseren Ankerplatz vor St. Helena erreicht.

St. Helena ist ein völlig unbedeutendes Inselchen mitten im Atlantik und gehört genau wie Ascension Island zum Britischen Überseegebiet St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha. Etwas weniger als 5000 Bewohner bevölkern dieses Eiland, das knapp 2000 Kilometer von der afrikanischen und gut 3000 Kilometer von der südamerikanischen Küste entfernt ist.
Naja, ganz unbedeutend ist dieses englische Lummerland (11 km x 15 km) nun doch nicht, denn hierher wurde 1815 Napoleon verbannt; er verstarb hier auch 6 Jahre später und die Insel lebt bis heute vom Mythos Napoleon Bonaparte.
Phoenix bot zuerst gar keine Ausflüge an und empfahl, die Insel auf eigene Faust z. B. mit einem Taxi zu erkunden. Da aber wegen der medizinischen Ausschiffung vor einer Woche der Aufenthalt von 12 auf 6 Stunden verkürzt wurde, vermittelte Phoenix jetzt Inselrundfahrten, die von einheimischen Tourveranstaltern durchgeführt werden (50 € pro Person).
Wir hätten die Insel sehr gerne auf eigene Faust per Taxi erkundet, befürchteten aber, das, wenn innerhalb eines halben Tages mehr als 900 Phoenix-Passagiere die Insel überfallen, die Transportmittel knapp werden könnten und entschieden uns für das Angebot von Phoenix.
Pünktlich um 7:00 Uhr wurde der Anker vor St. Helena geworfen und um 8:30 Uhr saßen wir im Tenderboot und wurden an Land gebracht.

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Die Tenderboote werden bereitgestellt.


Während des Frühstücks wurde mehrfach gewarnt, dass auf Grund des heftigen Schwells am Anleger des Tenders erhöhte Vorsicht geboten ist. Personen, die auf Stöcke oder Rollatoren angewiesen oder gebehindert sind, sollten lieber auf der ARTANIA bleiben.

 

An der Anlegestelle wurden wir auf verschiedene kleine bis höchstens mittelgroße Busse verteilt. „Unser“ Bus fasste ca. 20 Passagiere. Brian, so wurde er uns von einem örtlichen Touragenten vorgestellt, war unser Fahrer.

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Taxen und weitere privat zu charternde Minibusse waren übrigens keineswegs Mangelware, wie wir befürchtet hatten, aber jetzt saßen wir halt mit 19 weiteren Phoenix-Passagieren im Bus und mussten mit unserer Entscheidung leben, denn hadern wäre eh zwecklos gewesen. Und los gings.

 

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Der Fahrersitz ist vorne rechts, denn auf der Insel herrscht Linksverkehr.


Die Insel ist sehr gebirgig (bis 800 Meter) und die Serpentinen, die wir befuhren, waren sehr schmal und die Haarnadelkurven mehr als eng. Aber Brian war ein guter, besonnener und sicherer Fahrer, was wir besonders bei Gegenverkehr feststellen konnten, wenn sich die Fahrzeuge mit nur wenigen Zentimetern Abstand aneinander vorbei manövrieren mussten.
Es gab keinerlei Erklärungen, denn es war weder ein örtlicher Reiseleiter noch jemand von Phoenix im Bus. Das war auch so angekündigt und verkauft worden und somit völlig in Ordnung.

 

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Blick auf Jamestown, die Hauptstadt von St. Helena.


Außerdem sprach die Landschaft für sich selbst, sowohl während der Fahrt als auch bei den eingelegten Fotostopps.

 

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Ein Muss auf St. Helena ist natürlich ein Besuch des Grabs von Napoleon, obwohl er mittlerweile exhumiert und zurück nach Paris in den Invalidendom verfrachtet wurde. Zum einen, weil die Franzosen ihren Kaiser zurückhaben wollten, zum anderen, weil es Bonaparte in seinen Memoiren so gewünscht hatte.
Das Grab war absolut unspektakulär, aber in eine wunderschöne Landschaft eingebettet.

 

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Zum Grab führte ein ca. 1 Kilometer langer Weg ...

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... durch eine üppige Planzenwelt.

 

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Ein leeres Grab als Pilgerstätte.

 

Ein weiterer Stopp war am „Longwood House“ dem Exilwohnsitz Napoleon Bonapartes während seiner Verbannung. Interessant ist, dass dieses Areal unter französischer Verwaltung steht. Die Franzosen hatten es 1858 für 7100 Pfund gekauft.

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Das "Longwood House" steht auf französischem Territorium. St. Helena selbst gehört zwar zum britischen Überseegebiet, aber nicht zur Europäischen Union. Damit haben wir hier eine Außengrenze zur EU - egal ob es zum Brexit kommt oder nicht. ????

 

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Im" Longwood House" selbst war Fotografieren verboten, sodass hier keine Fotos von Napoleons Bett und Badewanne gezeigt werden können. Allerdings habe ich dieses Foto stellvertretend für Bonapartes gesamten Hausrat und Garderobe im Internet auf der Seite sainthelenaisland.info gefunden.

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Im angeschlossenen Souvenirshop war das Fotografierverbot dann wieder aufgehoben.


 

Hier sei mir eine kurze persönliche Meinungsäußerung erlaubt.
Ich kann den Personenkult, die Verehrung und Glorifizierung um Napoleon nicht nachvollziehen bzw. nicht gutheißen. Er war ein Aggressor und hat Europa mit Kriegen überzogen. Sein Russlandfeldzug steht übrigens dem von Hitler in nichts nach, sowohl in Sachen Grausamkeit und Sinnlosigkeit als auch in der Erfolglosigkeit mit unzähligen Opfern auf beiden Seiten. Ich weiß, dass ich mich damit zumindest in Frankreich auf politisches Glatteis begeben würde. Und ich weiß, dass Hitlervergleiche Schüsse sind, die oft nach hinten losgehen - aber das riskiere ich jetzt einfach.

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Diana's Peak. Diese Erhebung wurde nicht nach Lady Di, sondern nach der Göttin der Jagd benannt.


Unser nächster Fotostopp war dann aber absolut unpolitisch, nämlich Diana’s Peak, mit 812 Metern die höchste Erhebung von St. Helena. Da die Höhenunterschiede zwischen Meeresspiegel und den mehreren hundert Meter hohen Bergen quasi in Sichtweite stattfinden, ist Diana‘s Peak weitaus spektakulärer als z. B. der Feldberg im Taunus, der sogar noch ein paar Meter höher ist.

 

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Die berühmte, mittlerweile im Alter von über 180 Jahren verstorbene Riesenschildkröte Jonathan, galt als ein weiteres Wahrzeichen von St. Helena. Sie wurde durch mehrere, nicht minder durch ihre Größe beeindruckende Exemplare ersetzt. Im Hintergrund ist der Palast des Gouverneurs "Plantation House" zu sehen.

Nach ein paar weiteren Stopps konnte, wer wollte, am Postamt in Jamestown (ca. 650 Einwohner, Inselhauptstadt) aussteigen. Wir waren bei den „Aussteigern“ dabei, während der Rest weiter zur Tenderpier gefahren wurde.

 

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Der letzte Stopp fand an der sogenannten Jakobsleiter statt.
Diese steile Treppe besteht aus 699 Stufen und überwindet eine Höhe von 180 Metern.

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Bei unseren Bummel durch Jamestown fanden wir auch das untere Ende der Jakobsleiter. Zum Glück war keine Zeit mehr, dieses Ungetüm zu besteigen.

 

An dieser Stelle kann ich feststellen, dass unsere Entscheidung, die von Phoenix vermittelte Inselrundfahrt zu buchen, doch kein Fehler war. Zum einen wurden alle Sehenswürdigkeiten wie sie im Reiseführer aufgeführt waren stressfrei abgeklappert und zum anderen war die „Reisegesellschaft“ in unserem Bus sehr angenehm. Es wurde beim Ein- und Aussteigen Rücksicht genommen und nicht gedrängelt, was eigentlich eine Selbstverständlich sein sollte, es aber leider oft nicht ist.

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Der letzte Tender fuhr mal wieder ohne uns.


In Jamestown bummelten wir ein wenig durch die Straßen und begaben uns dann gegen 13:30 Uhr langsam zur Tenderpier, denn um 14:00 sollte dort der letzte Tender ablegen.
Sollte! Aber ähnlich wie schon in Porto Novo auf den Kap Verden, schien den Verantwortlichen das Tendern von dieser Anlegestelle wegen des Schwells jetzt zu gefährlich. Das gerade abfahrende Boot war das Letzte, dass noch mit Passagieren gefüllt wurde.
Jetzt hatte Phoenix bzw. die Schiffsleitung unter Kapitän Franz W. Ziolkowski das Problem, da ja die Zeit drängte, die noch ca. 100 an Land verbliebenen Passagiere auf die ARTANIA zu schaffen.

 

Die Lösung: Es gibt noch eine Anlegestelle, die geschützter, aber etwas abseits liegt. Es wurden auf die Schnelle einige Busse gechartert, die uns zu diesem Anleger bringen sollten. Es dauerte nicht lange und wir konnten in einen der nun bereitgestellten Kleinbusse einsteigen. Die Fahrt dauerte nur ca. 15 Minuten, aber wir werden sie trotzdem so schnell nicht vergessen. Um zur neuen Anlegestelle zu gelangen, mussten wir „über“ einen Berg fahren. Die Serpentinen, die wir jetzt bewältigen mussten waren noch steiler und die Kurven noch enger als bei unserer Tour am Vormittag. Und der Fahrer war leider nicht Brian, sondern er war anscheinend ein Nachfahre eines japanischen Kamikazefliegers. Wenn er am Berg wegen Gegenverkehr warten und dann wieder anfahren musste, würgte er auch schon mal den Motor ab, während er bei der Bergabfahrt in einen wahren Geschwindigkeitsrausch verfiel. Die Regel, den Berg im gleichen Gang hinunterzufahren wie man ihn hinauffährt, ignorierte er beiläufig. Mir war da schon ein wenig mulmig und ich hoffte, dass die Bremsen nicht heiß liefen. Die Sitznachbarin von Doris hatte solche Angst, dass ihr übel wurde und sie zu zittern anfing und mit Pfefferminz und Mineralwasser abgelenkt und beruhigt werden musste.
Schließlich kamen wir dann doch heil an, hatten aber das Gefühl, dass das Tendern weitaus weniger gefährlich gewesen wäre, als die gerade erlebte Höllenfahrt.

Um 15:00 Uhr wurde mit halbstündiger Verspätung der Anker gelichtet und mit Höchstgeschwindigkeit von 21 Knoten (ca. 38 km/h) nahmen wir Kurs auf das 1200 Seemeilen (2600 km) entfernte Walfischbai in Namibia.

 

21. Reisetag – Freitag, 10.01.2020 – Auf See

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Trinkgeld ist für Teile der Crew kein Zubrot, sondern gehört zu deren Einkommen. Zwar ist das Geben von Trinkgeld grundsätzlich freiwillig, aber wer auf das Geben von Trinkgeld verzichtet, bringt die MitarbeiterInnen des Housekeepings, des Restaurantbereichs und die "stillen Geister" (z.B. Wäscherei) um ihren verdienten Lohn.
Wir haben zwecks Trinkgeldübergabe eine eigene Fachkraft mit auf die Reise genommen. (Eni ist nicht der Name des kleinen Waschbärs, sondern der unserer Kabinenstewardess.)

Heute wurde mit Hochdruck am Blog gearbeitet, damit er online gehen kann. Die nächsten 14 Tage werde ich nur sehr wenig Zeit haben, Text zu schreiben, Fotos zu sichten und Beides dann in Form zu bringen.
Denn übermorgen, wenn wir in Walfischbai in Namibia ankommen, werden wir für 4 Tage von Bord gehen. Zusammen mit einem befreundeten Ehepaar haben wir eine Überlandtour gebucht. Ein Fahrer wird uns am Hafen abholen und in den Etosha-Nationalpark fahren, wo wir hoffentlich viele Tiere in der Natur sehen werden. Wir werden in Lodges übernachten. Am vierten Tag fliegen wir von Windhoek nach Kapstadt und besteigen dort wieder die ARTANIA. In dieser Zeit bleibt der Laptop auf dem Schiff.
In Kapstadt wird ein Passagierwechsel stattfinden, weil dort ein neuer Reiseabschnitt beginnt. An den darauf folgenden Tagen geht es dann Schlag auf Schlag mit nur einem einzigen Seetag dazwischen. Erst ab 24. Januar wird es wieder etwas „ruhiger“.

 

Der Blogger

Der Blogger Peter Hölzer

Peter Hölzer (*23.12.1953) ist der Blogger

Aus dem Gästebuch ...

Ahoi aus der Kurpfalz!

Eure Weltreise habe ich permanent am PC begleitet bis Australien.

Nochmals Danke für das Logbuch.

Die Quarantänezeit der Artania und
Rückfahrt und die Sorge um die Crew als auch die verbleibenden Gäste verfolgte ich tgl. am PC über die marinetraffic.Jetzt ist Artania endlich „zu Hause“.
Bleibt alle gesund und hoffentlich bald wieder Cruising round the...

Weltreise musste abgebrochen werden

Am 14.3.2020 wurde die Entscheidung der Reederei bekannt gegeben, die Weltreise abzubrechen.

Näheres hier: Abbruch der Weltreise durch Phoenix

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22.10.2020

Die letzten 4 Tage auf dem Schiff - ein beinahe Liveticker

Vom 26, März 2020 bis zum  Evakuierungsflug am 29. März gab es ständig neue und wechselnde Informationen. Sobald eine neue Info bekannt wurde, habe ich sie in einem "Extra-Beitrag" sofort hier im Blog Online gestellt, fast wie in einem Liveticker,
Diesen "Extra Beitrag" findet man hier!

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